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2019-04-11

Geschwindigkeit ist Klaipėdas neuer Wettbewerbsvorteil

11 Apr 2019

Während sich das Gehaltsniveau in Litauen zügig dem des Westens anpasst, hat das Team der Freien Wirtschaftszone (FEZ) Klaipėda einen neuen, einzigartigen Wettbewerbsvorteil für die Stadt geschaffen: die Möglichkeit, die Produktion schneller als irgendwo sonst in der Region aufzunehmen. Mit FlexStart, der flexiblen Fabrik der Klaipėda FEZ, können Investoren Monate wertvoller Zeit einsparen. Das Modell konnte bereits international für Aufsehen sorgen. Die verfügbaren Flächen werden voraussichtlich schon bald vollständig vermietet sein und die FEZ plant bereits ein neues Bauprojekt.

Schon seit einer Weile eilt Litauen der Ruf voraus, ein Land zu sein, in dem es einfach ist, ein Unternehmen zu gründen und weiterzuentwickeln. In der Doing Business Rangliste der Weltbank rangiert Litauen bei 190 Ländern auf einem herausragenden 14. Platz und somit vor wichtigen Volkswirtschaften wie Finnland oder Australien und auch vor seinen Nachbarländern. Dank guter geographischer Lage, seiner Mitgliedschaft in euro-atlantischen Strukturen, hervorragend ausgebildeten Arbeitskräften, moderner Infrastruktur und zahlreichen Anreizen für Investoren konnte Litauen in den vergangenen 20 Jahren über 15 Billionen € an ausländischen Direktinvestitionen einnehmen. Dabei steht das Land jedoch im Wettbewerb zu seinen ebenso ambitionierten Nachbarn sowie zu anderen Ländern und ganzen Regionen in aller Welt. Aufgrund des kleinen Binnenmarktes und des steigenden Gehaltsniveaus muss Litauen nach neuen Wegen suchen, um Anreize für Investoren zu schaffen, insbesondere auch aufgrund des zunehmend unsicheren Zustands der ehemals florierenden Weltwirtschaft.

Herausforderungen bedeuten auch Chancen

Laut Eimantas Kiudulas, dem CEO der Klaipėda FEZ, befindet sich die Weltwirtschaft derzeit in einer einzigartigen Phase, da zwar Geld am Markt vorhanden ist, es zeitgleich aber spürbare Sorgen und Verwirrungen um die internationalen Handelsbeziehungen, den Brexit, sowie andere Spannungen gibt. Zudem schreitet auch die Technik schneller voran denn je und verändert sich zunehmend, besonders in den Branchen Transport, Energie und Automatisierung.

„In solch einem Umfeld wird Geschwindigkeit zu einem wertvollen Vorteil,“ bemerkt E. Kiudulas. „Jeder möchte neue Unternehmungen oder Ideen schnellstmöglich testen und umsetzen, bzw. entwickeln. Zudem können wir beobachten, dass die Zahl der Fertigungsprojekte zwar steigt, ihr Ausmaß und ihre Größe aber rückläufig sind. Schließlich benötigt niemand eine riesige Fabrik mit tausenden Angestellten, nur um eine neue Idee auszuprobieren. Dies alles eröffnet der offenen, flexiblen und unbürokratischen Wirtschaft von Litauen eine unglaubliche Möglichkeit: wir können im Sektor „Unternehmensgeschwindigkeit“ in den Wettbewerb eintreten, d.h. dafür sorgen, dass die besten Bedingungen für die schnelle Umsetzung von Fertigungsprojekten herrschen. Bereits das Einsparen eines halben oder gar eines ganzen Jahres vor der Aufnahme des Fertigungsprozesses ist für moderne Investoren oftmals von größerer Bedeutung als es Gehaltskosten oder steuerliche Anreize sind.“

Das Team der Klaipėda FEZ entdeckte diesen Trend nach eingehender Marktanalyse und Gesprächen mit diversen aktuellen und künftigen Investoren und entschloss sich dazu, ein Projekt zu entwickeln, dass im Baltikum seines Gleichen sucht: den Bau eines universellen, 7.500 m² großen Produktionsgebäudes namens FlexStart. Dieses Gebäude zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es eine äußerst schnelle Aufnahme der Produktion erlaubt. Der Bau einer neuen Fabrik von Grund auf kann 1-3 Jahre in Anspruch nehmen, für die Renovierung einer alten Fabrik sind zwischen 6 Monaten und einem Jahr zu veranschlagen. Im Gegensatz dazu können Investoren in FlexStart ihren Gebäudeteil entsprechend ihrer individuellen Anforderungen anpassen und bereits 2-3 Monate nach Vertragsunterzeichnung die Produktion aufnehmen.

Der CEO der Klaipėda FEZ hebt hervor, dass das Management der Klaipėda FEZ ohne vorhandene Kunden und Absichtserklärungen in das Projekt FlexStart investiert hat.

„Natürlich sind wir hier ein gewisses Risiko eingegangen,“ führt E.Kiudulas aus. „Dennoch haben wir die Entwicklung in Kaunas und Vilnius wahrgenommen und globale und lokale Trends in Betracht gezogen. Schließlich hätte Barclays wohl keine Niederlassung in Vilnius errichtet, wenn die Stadt nicht über das moderne Bürogebäude Green Hall verfügen würde. Wir haben uns getraut, die ersten zu sein und wir dürfen uns glücklich schätzen, dass sich unsere Entschlossenheit so schnell ausgezahlt hat.“

Planung des zweiten Gebäudes

Der Grundstein für FlexStart wurde 2017 gelegt und die Bauarbeiten konnten im vergangenen Sommer abgeschlossen werden. Die Klaipėda FEZ investierte 3,3 Millionen € in dieses Projekt. Direkt nach der Fertigstellung konnten drei Projekte, Baltijos Eukutecas, ein deutscher Hersteller von Kabelsätzen für E-Bikes, der norwegische Elektrogerätehersteller Etman, sowie ein weiterer, ungenannter Fertigungs-Startup, gewonnen werden.

„Wir konnten nicht weiterwachsen, erhielten aber immer mehr Bestellungen und stellten immer mehr Mitarbeiter ein. Darum waren wir auf der Suche nach einer Gelegenheit, eine größere Fläche zu kaufen oder zu mieten,“, sagt Ina Vaicekauskiene, die Geschäftsführerin von Baltikos Eukutecas. „Schließlich kontaktierten wir das Team der Klaipėda FEZ. Wir mussten kaum Hand am FlexStart-Gebäude anlegen, da das gesamte Team der FEZ bereits alles entsprechend unserer Anforderungen gestaltet hatte. Darum waren wir sehr zufrieden und konnten unser Projekt schon bald in die Tat umsetzen. Wir planen, auch weiterhin zu wachsen und noch mehr Stellen zu schaffen.“

Doch damit nicht genug: FlexStart schuf in der Immobilienbranche auch neue Möglichkeiten, nämlich die vorübergehende Vermietung von Produktionsflächen. So plant beispielsweise Dancer, ein in Klaipėda ansässiger Hersteller von Elektrobussen, zwar den Bau einer komplett neuen Fabrik auf einem Bauplatz, kann aber dennoch Zeit gewinnen, in dem in der Zwischenzeit vorübergehend Produktionsflächen im FlexStart-Gebäude gemietet werden.

Da im FlexStart-Gebäude nicht einmal mehr 1000 m² Fläche verfügbar sind, denkt die FEZ laut E. Kiudulas ernsthaft über den Bau einer zweiten flexiblen Produktionsstätte nach, die mit 8.500 m² sogar noch etwas größer sein wird.

„Es gibt überzeugende Argumente für den Bau eines zweiten FlexStart-Gebäudes. Zudem sind wir begeistert davon, dass zunehmend auch litauische Unternehmen auf die Klaipėda FEZ und FlexStart aufmerksam werden,“ sagt E. Kiudulas. „Schließlich können diese von denselben steuerlichen Anreizen wie ausländische Investoren profitieren: dem Entfall der Körperschaftssteuer während der ersten 10 Betriebsjahre, einem reduzierten Steuersatz während der nächsten 6 Jahre sowie dem Wegfall der Immobiliensteuer bis mindestens 2045. Zudem sind wir voll davon überzeugt, dass die schnelle Aufnahme der Geschäfte sowohl für ausländische als auch für litauische Hersteller einen enorm wichtigen Faktor darstellt.“

FlexStart wurde 2017 von fDi Intelligence, einer Sonderabteilung der Financial Times, mit dem erstmals vergebenen Sonderpreis für Einrichtungsgeschwindigkeit für Investoren ausgezeichnet.

Relevante Trends finden

Laut übereinstimmender Meinung von Immobilienexperten verändern sich sowohl die Produktionsbedürfnisse als auch der Herstellungsprozess als solcher.

Mindaugas Kulbokas, der Manager des Forschungs- und Analyseteams der Immobilienberatungsfirma Newsec, befindet, dass technologische Aufrüstung und Innovationen in der Fertigungsbranche mittlerweile auch kleine und mittlere Unternehmen betreffen.

„Die Ressourcen von Fertigungsunternehmen werden im Wesentlichen in zwei Richtungen geleitet – technologische Innovationen und Spezialisten,“ sagt M. Kulbokas. „Hier muss allerdings die Frage gestellt werden, wo diese Technologien und Innovationen installiert werden. Denn in alten Produktionsstätten sind sie oftmals nicht effektiv und auch widersinnig. Alternativ könnte man auch eigene Fabriken bauen, was in der Bilanz natürlich zu wachsenden Verbindlichkeiten führt. Die dritte Alternative, die sich in der Industrie und der Fertigungsbranche mehr und mehr durchsetzt, wäre es, Produktionsflächen langfristig zu mieten und die Mietkosten mit den direkten betrieblichen Ausgaben abzurechnen.“

Laut dem Experten wachsen die Anforderungen an flexible Produktionsflächen und geeignete Objekte sollten auch für Unternehmen aus der Leichtindustrie attraktiv sein.

Mindaugas Statulevicius, der Direktor des litauischen Verbandes für Immobilienentwicklung, bemerkt noch einen weiteren wichtigen Trend, nämlich die Möglichkeit, Produktionsflächen zu einer Dienstleistung zu machen.

„Auf dem Immobilienmarkt nahm der Trend, Flächen als Dienstleistung anzubieten, seinen Anfang mit Gemeinschaftsbüros, um sich dann auf Wohnräume, das Gastgewerbe, und nun auch auf Produktionsflächen auszubreiten,“ sagt M. Statulevicius. „Besonders wichtig ist es, wenn Geschwindigkeit erste Priorität hat: wenn neue Produkte oder Produktlinien ausprobiert werden oder wenn man schnell auf die sich ändernden Gegebenheiten des Marktes reagieren muss. In der Industrie befindet sich das Angebot von Dienstleistungen wie FlexStart noch in den Kinderschuhen und ist noch nicht ausreichend, da der Großteil der verfügbaren Produktionsflächen von Mietern mit langfristigen Verträgen in Anspruch genommen wird. Nichtsdestotrotz sollten in Zukunft mehr solcher Flächen verfügbar werden, insbesondere auch, da die Fristen für die Produktion immer kürzer werden und es für Hersteller immer wichtiger wird, näher am Kunden zu sein, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Auf dem Markt für Immobilienvermietungen werden Geschwindigkeit und Komfort zunehmend zur entscheidenden Währung.“

(Quelle: 15min.lt)

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