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2019-08-19

Revolution in Klaipėda: Elektrobusse, neue Fußgängerzonen und Fahrradgaragen

19 Aug 2019

Mehr Fußgänger, Radfahrer und Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel – das sind die Ziele von Klaipėda, das die Leitlinien für nachhaltige Mobilität für 10 Jahre in die Zukunft festlegt. Zu den unmittelbaren Plänen gehören die Grüne Welle, moderne Fahrradstationen, die Umwandlung steiniger Altstadtgehwege in bequemere und die Sperrung einiger Straßen für den Autoverkehr. Nachhaltige Mobilität ist eine der Möglichkeiten, das Leben in der Hafenstadt noch komfortabler zu gestalten, sagen Experten, die daran arbeiten, dass die Stadtbewohner gesünder und in einer gesünderen Stadt wohnen. Die Erfahrung für die Ideen stammt von anderen europäischen Städten, schreibt 15min.lt .

Die bevorstehenden Herausforderungen wurden bereits schwarz auf weiß zu Papier gebracht. Bis 2030 soll der Anteil der Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel von 30 auf 35 Prozent und der Anteil der Radfahrer von 3 auf 8 Prozent steigen. Die Zahl der Autonutzer soll von 36 auf 24 Prozent sinken, während die Zahl der Fußgänger um einige Prozent steigen soll.

Laut Mantė Černiūtė-Amšiejienė, Leiterin der Urbanistikabteilung der Gemeinde Klaipėda, scheinen die Prozentwerte zwar nicht hoch zu sein, aber ohne Maßnahmen und Aktionen würde sich die Statistik in die entgegengesetzte Richtung ändern.

„Die Helfer, die die Vision einer nachhaltigen Mobilität entwickelt haben, haben dazu beigetragen, zu berechnen, was passieren würde, wenn wir keine zusätzlichen Maßnahmen ergreifen und wie die Ergebnisse der Verkehrsverteilung in der Stadt aussehen würde. Wenn wir nichts unternehmen, würde die Nutzung von Autos bis 2030 auf 44 Prozent steigen, die Zahl der Personen, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, würde stark sinken – bis auf 26 Prozent, ebenso die Zahl der Fußgänger. Wenn wir nicht das tun, was wir vorhaben, werden wir ein gegenteiliges Ergebnis erzielen“, sagt M. Černiūtė-Amšiejienė. „Die Vision selbst ist es, die Mobilitätssituation in der Stadt zu verbessern, den Gebrauch von Privatfahrzeugen zu reduzieren, den Gebrauch von Fahrrädern, öffentlichen Verkehrsmitteln und das Gehen zu Fuß zu fördern.“

Mit der Umsetzung dieses Ziels wurde bereits durch Koordinierung der Arbeiten bis 2020 begonnen. Später werden die in der Vision bis 2030 umzusetzenden Pläne konkretisiert. Die Leiterin betont und begrüßt, dass dieses wichtige strategische Dokument nicht nur in der Hand der Gemeinde lag. An seiner Ausarbeitung beteiligten sich viele verschiedene Organisationen – Behindertengewerkschaften, die Freie Wirtschaftszone Klaipėda, Hafenvertreter, die Personenbeförderungsgesellschaft von Klaipėda und der Radfahrerverband. Mehr als die Hälfte des Ausschusses für Mobilitätspläne wurde außerhalb der Gemeinde gebildet. So entstanden bunte und vielfältige Ideen, die in den Plan für nachhaltige Mobilität eingeflossen sind.

Inspirationsquelle für Ideen waren auch andere Länder. Die Stadt nahm an einer Konferenz teil, auf der andere Länder – Großbritannien, Belgien, Polen u.a. – Ideen zur nachhaltigen Mobilität austauschten. Das Forum für nachhaltige Mobilität im April kündigte Städte der Zukunft an, in deren Szenarien für nachhaltige Mobilität bis 2030 die mobilitätsfreundlichsten und umweltfreundlichsten Maßnahmen vorgesehen sind, die das Reiseverhalten beeinflussen sollen. Eine solche Stadt ist Klaipėda. Die Stadt Klaipėda wurde für die ehrgeizigste Vision von nachhaltiger urbaner Mobilität ausgezeichnet.

Drei Herausforderungen

Laut M. Černiūtė-Amšiejienė hat der Plan für nachhaltige Mobilität drei Hauptaufgaben: Verbesserung des öffentlichen Verkehrs, Förderung des nichtmotorisierten Verkehrs, Verbesserung der Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer sowie Verringerung des Autoverkehrs, um ihn so reibungslos wie möglich zu gestalten und die Umweltverschmutzung zu verringern.

In Klaipėda fahren bereits umweltfreundliche Druckgasbusse, man plant in Kürze ihre Zahl zu vergrößern, und im Herbst werden voraussichtlich die ersten Elektrobusse auf die Straße kommen. Letztere werden in der Freien Wirtschaftszone Klaipėda hergestellt und verdienen den Stolz der Stadt. Laut Rimantas Mockus, Leiter der Verkehrsabteilung der Gemeinde Klaipėda, sind diese Busse nicht billig – sie kosten etwa 350.000 Euro. Für diesen Betrag könnten zwei neue gasbetriebene Busse gekauft werden, aber die elektrisch betriebenen Busse sind effizient und ihre Ladezeit beträgt nur fünf Minuten.

„Diese Fabrik befindet sich in Klaipėda. Wir waren bei einer Präsentation der Busse anwesend, die technischen Angelegenheiten sind bereits geklärt. Wir hoffen, dass in naher Zukunft zwei Busse auf die Straße kommen werden. Das Ziel ist es, so viele wie möglich von ihnen zu haben“, sagte Mockus.

Die für solche Busse erforderlichen Ladestationen werden in naher Zukunft installiert. Die Fahrt in einem solchen Bus ist ein Vergnügen. Sie fahren leise, belasten die Umwelt nicht, es gibt eine Klimaanlage, und der Gedanke, dass sie in der Hafenstadt hergestellt worden sind, berührt das Herz der Stadtbewohner.

Es wird mehr Fahrradgaragen geben

Um die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu fördern, baut die Personenbeförderungsgesellschaft Klaipėdos keleivinis transportas seit einiger Zeit Fahrradgaragen an der Grenze der Stadt und des Landkreises Klaipėda. Bis zu ihnen können die Bewohner bequem mit ihren Rädern fahren, sie sicher in den Garagen aufbewahren, wo sie nicht im Regen stehen. „Dieses Park-and-ride-System sollte auch auf die Wohngebiete erweitert werden, um das Abstellen von Fahrrädern in beleuchteten Garagen zu erleichtern und einen Anreiz zum Fahren zu bieten“, so R. Mockus. Vaiva Varnaitė, die zuständige Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, teilte dem Portal 15min mit, dass derartige Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in kürze an drei Schulen in der Hafenstadt verfügbar sein werden.

„Ziel ist es, die Kinder mobiler zu machen und nachhaltige Mobilität zu fördern. Diese Garagen bieten Platz für jeweils 25 Fahrräder. Sie sollten mit einem Busticket oder einem Schülerticket geöffnet werden, damit Schüler und Lehrer ein Fahrrad abstellen können“, sagte V. Varnaitė, die auch von Anwohnern der Malūnininkų-Straße einen Antrag auf Errichtung solcher Fahrradgaragen erhielt. Derzeit laufen die Beschaffungsverfahren. In den Unterlagen ist angegeben, dass mindestens zehn Fahrräder hineinpassen sollten.

Die Gemeinde beschloss auch, zwei Fahrradzähler in der Stadt zu installieren. Die am Musiktheater der Stadt Klaipėda und an der viel befahrenen Kreuzung der Straßen Taikos pr. und Kauno g. installierte Ausrüstung wird Radfahrer zählen. Auch die vorbeifahrenden Radfahrer können die Statistik einsehen. Sie wird auch auf der Website der Stadtverwaltung verfügbar sein. In der Stadt sollten auch zweckmäßige Fahrradservicestationen zur Verfügung stehen, um die Fahrradinfrastruktur zu verbessern. Bereits jetzt ist eine von ihnen am Fährhafen von Smiltynė in Betrieb. Die Radfahrer können hier Reifen aufpumpen und andere Ausrüstung verwenden.

Braucht Klaipėda eine Straßenbahn?

Die Straßenbahn in Klaipėda – ausbauen oder nicht? Wie viel würde sie kosten und wohin könnte sie fahren? Solche Fragen sollten in etwa einem Jahr in einer Machbarkeitsstudie beantwortet werden. In ihr sollten auch andere Verkehrsoptionen in der Stadt analysiert werden, da nachhaltige Mobilität ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklung des öffentlichen Verkehrs ist. Klaipėda ist eine der wenigen Städte in Litauen, in denen es im letzten Jahrhundert Straßenbahnschienen gegeben hat, die 1904 verlegt worden waren. Das elektrische Straßenbahnnetz verband den Hafen und den Bahnhof mit dem Zentrum sowie separaten Vororten.

Es wird behauptet, dass im Jahr 1934 auf Forderung der örtlichen Funker der Straßenbahnverkehr in Klaipėda verboten wurde, weil er Funkstörungen verursachte. Schließlich wurde die Straßenbahn wegen steigenden Verschleißes und wegen des Mangels an Mitteln für eine Instandsetzung und Entwicklung liquidiert. Klaipėda gilt als ideale Stadt für den Straßenbahnverkehr, da die Stadt drei lange Hauptstraßen hat. Welcher Express-Transport für die Hafenstadt am akzeptabelsten ist, wird in einer laufenden Studie beantwortet, und während sie noch in Arbeit ist, sollten diejenigen, die hinter dem Steuer eines Autos oder im Bus sitzen, bereits im nächsten Jahr das Gefühl haben, auf der Hauptverkehrsader der Stadt schneller voranzukommen – auf einer Straße entlang des Hafens, wo stufenweise eine grüne Welle eingerichtet werden soll. Bei einer bestimmten Geschwindigkeit können die Fahrer alle Kreuzungen bei Grün überqueren, ohne anzuhalten.

Nach Angaben von V. Varnaitė wird dieses Projekt stufenweise in vier Schritten umgesetzt. Dabei wird es immer mehr Kreuzungen geben, die zum grünen Korridor gehören. Später wird das Projekt auch auf andere Arterien der Hafenstadt übertragen werden.

Straßen nur für Fußgänger

Die Gemeinde Klaipėda blickt bei der Entwicklung von Plänen für nachhaltige Mobilität auch auf andere europäische Länder. Die Hafenstadt wird zusammen mit Gemeinden anderer Länder an einem Pilotprojekt teilnehmen und den Verkehr auf einigen Straßen stilllegen. „Dies könnte an Wochenenden und Feiertagen praktiziert werden, sodass einige Straßen für Fußgänger geöffnet werden. So würden öffentliche Plätze und Cafés erschlossen. Das würde nicht drastisch geschehen, sondern über Pilotprojekte“, sagte M.Černiūtė-Amšiejienė dem Portal 15min.

Wann mit den Straßensperrungen begonnen wird, ist bisher unklar. Die Arbeitsgruppen beabsichtigen, im Herbst mit der Ausarbeitung von Plänen und Programmen zu beginnen. Der Plan für nachhaltige Mobilität sieht vor, dass der zentrale Teil der Stadt und die Altstadt bis 2030 zu einer kohlendioxidfreien Zone für Fahrräder und Fußgänger werden sollen. Hier würde es keine umweltschädlichen Autos mehr geben. Die Zufahrt mit Privatfahrzeugen würde in der gesamten Neustadt von der Nordseite des Flusses Dangė bis zum Bahnhof eingeschränkt sein.

„Die Maßnahmen sind oft nicht sehr beliebt, weshalb Probeschließungen geplant sind. Einem Teil der Öffentlichkeit wird das nicht gefallen, weil man schnell heranfahren und gleich nebenan parken möchte, ohne laufen zu müssen. Wir werden versuchen, die Praxis und ausländische Erfahrung zu nutzen. Das ist die Zukunft der Städte und wir können diese Trends nicht ignorieren, weil wir die Verschmutzung sonst nicht in den Griff bekommen. Und in einer solchen Umgebung wollen die Menschen auch nicht leben. Dies steht mit vielen Dingen in Zusammenhang. Die Menschen suchen ruhigere Orte in der Vorstadt. Aber wie macht man die Stadt attraktiv? Finanziell ist es für die Menschen bequemer, konzentriert und näher beieinander zu leben als sich zu zerstreuen. Nachhaltige Mobilität ist eine Möglichkeit, das Leben attraktiver zu gestalten“, so die Leiterin der Urbanistikabteilung.

Um eine attraktivere und bequemere Altstadt zu schaffen, werden wir dort in naher Zukunft mit der Erneuerung der Steinpflasterabschnitte beginnen und sie für Mütter mit Kinderwagen und Fußgänger anpassen. Klaipėdas Plan für nachhaltige urbane Mobilität wurde unter Einsatz von Investitionen aus EU-Mitteln erstellt.

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